Ein Wunder in Udine – große Emotion mit Original Play

Posted on Posted in Allgemein, Apprentices, Armin Knauthe, Erfahrungsbericht, Projekte, Spielen

Persönlicher Projektbericht von Armin Knauthe (English Version)

Soeben hat sich der Railjet 130 in Bewegung gesetzt. Ich fahre von Udine zurück nach Wien, nach vier Tagen berührender und emotionaler Begegnungen, reichhaltigen Gesprächen, vielfältigem Austausch und intensivem Spiel. Voilà mein persönlicher Bericht.

Cristina Piovesana aus Udine und Alessia Zanella aus dem kleinen Dorf Pagnacco in der Nähe von Udine luden mich ein, Original Play in der Umgebung von Udine in verschiedenen Kindergärten mit Teilnehmern der letzten Original Play Workshops anzubieten. Monate lang hatte Alessia alles vorbereitet, Kindergärten und Teilnehmer/innen kontaktiert, Termine abgeglichen und in Wien Spielerfahrungen in Original Play gesammelt. Am 19. Februar 2018 war es dann soweit, vier Tage Original Play mit über 140 unbekannten Kindern standen vor uns.

Am Montag besuchten wir die Scuola per l’infanzia „Le colline dei Bimbi“ in Buttrio und am Dienstag die Scuola per l’infanzia SMNS Elena Bettini in Pagnacco, beide in der Umgebung von Udine. An diesen beiden Tagen spielten nur Alessia und ich, um die Kinder kennenzulernen und eine Atmosphäre des Vertrauens aufzubauen.

Am Mittwoch kam Cristina Graffeo hinzu und am Donnerstag vervollständigte dann auch noch Mariangela Pivo unsere Truppe. Die Kindergärten waren dieselben, wie an den Tagen davor.

Erster Tag mit Original Play in Buttrio

Spielen mit Armin in Udine

Im Kindergarten in Buttrio wurden wir aufs Herzlichste begrüßt. Bereits am Vorabend, Sonntag, erhielt Alessia spät abends noch eine erwartungsvolle SMS von Sandra, der psychologischen Betreuerin des Kindergartens.

Die Pädagoginnen unterstützten uns vor und während des Spielens und zeigten reges Interesse an Original Play. Sie fragten, ob es erlaubt sei, Fotos und Videos zu machen. (Was die Videos betraf, einigten wir uns über sehr kurze Clips – sollten diese für interne Präsentationen genutzt werden, würden wir noch gefragt werden.)

Wir spielten mit insgesamt sieben Teilgruppen – zunächst mit den ganz Kleinen (3 Jahre), dann mit den „medi“, den Mittleren, (4 Jahre) und am nachmittag mit den Großen (5-6 Jahre). Der rote Bodenbelag der großen Aula ließ unsere sechs Matten zunächst klein aussehen, doch beim Spielen wurden sie das Zentrum eines bewegten Miteinanders, voll Vertrauen, Nähe und Freude. Von der Decke hingen auf alte CDs geklebte Papier-Herzen herab, als würden sie symbolisch wiedergeben wollen, was sich auf den Matten abspielte.

Schon bei der zweiten Gruppe teilte uns die begleitende Pädagogin mit, dass es sie zu Herzen gerührt hatte, den Kindern beim Spiel zuzusehen und dass sie dabei auch etwas weinen musste. Sie hatte gemerkt, dass wir einfühlsam auf die Impulse der Kinder reagierten und nur soweit mit ihnen spielten, wie es ihren ursprünglichen Aktionen entsprach, so als ob wir die Kinder bereits gut kennen würden.

Die schnelle Änderung des üblichen Verhaltens der Kinder überraschte sie. So öffnete sich – Ihrer Beobachtung nach – ein sehr schüchternes Mädchen, kam zum Spielen und entwickelte dabei eine Vertrautheit, wie sie es bei ihm noch niemals erlebt hatte. Sie erkundigte sich sofort nach einem Workshop und würde gerne im Juni teilnehmen.

Einer anderen Pädagogin konnte ich während des Spielens ansehen, mit wieviel Anteilnahme sie beiwohnte. Als ich sie spontan zum Mitspielen aufforderte, sagte sie sofort ja, zog sich Stiefletten und Arbeitsschürze aus, kam völlig unbefangen zu Alessia und mir auf die Spielfläche und spielte ganz selbstverständlich mit.

Im Schlussgespräch teilte sie mit uns ihre Beobachtung: die Kinder würden durch Imitation neue Wege des Spielens beschreiten, bei denen es nicht mehr zur Eskalation kommt.

Als wir den Kindern einer Gruppe mitteilten, dass wir in zwei Tagen wieder kommen würden, sagte ein drei-jähriges Mädchen „Nein!“ zu uns. Gleich darauf schmiegte sie sich an Alessia und umarmte sie. Ihr Körper zeigte eine völlig andere Reaktion als ihr Kopf.

Von allen Beteiligten – Pädagoginnen, Eltern, den Teilnehmerinnen und insbesondere den Kindern – erfuhren wir auf herzliche und emotionale Weise sehr positives  Feedback. „Una meraviglia“ – „Ein Wunder“- wäre das Spiel gewesen, teilte uns Sandra mit. Abends erhielt Alessia folgende Nachricht von Sandra: „Was soll ich sagen … schön, schön, schön … ausgehend von verschiedenen Welten, von ursprünglichen Instinkten, vom Spiel junger Welpen und von anderen Spezies, um das Kind in uns zu berühren … und die Kinder spielen zu lassen, so wie es gerade kommt. So erschien es mir … So viel Emotion. Danke.“

Dritter Tag – Präsentation

Alessia und Armin Udine

Zwei Tage später brachten alle Kinder Alessia, der neu dazu gestoßenen Cristina und mir höchstes Vertrauen entgegen. Kaum waren wir zu dritt auf den Matten spielten die Kinder einfach mit jedem Erwachsenen, der gerade frei war. Sie machten überhaupt keinen Unterschied, mit wem von uns dreien sie spielen wollten, sondern probierten einfach alle aus. Ich empfand von allen – Kindern und Erwachsenen – viel Präsenz, Respekt, Wertschätzung und Spielfreude. Es gab an diesem Tag kein einziges Kind, das nicht auf den Matten war – alle Kinder haben mitgespielt. Von ihren Erlebnissen beim Spielen fertigten die Kinder Zeichnungen an, die vor Buntheit, Freude und Kreativität nur so sprühten.

Noch für denselben Abend wurden Alessia und ich eingeladen, Original Play vor dem gesamten Team und vor der Elternvertretung zu präsentieren. Es machte mir viel Freude, die Pädagoginnen begeistert von ihren Beobachtungen erzählen zu hören. Am Montag, dem 18. Juni 2018 soll Original Play am Nachmittag nach dem Praxisvormittag mit Fred vor allen Eltern präsentiert werden. Bis dahin könnte es sein, dass Alessia noch öfter zum Spielen eingeladen wird.

Zweiter und vierter Tag – Lachen und Aufmerksamkeit

Am zweiten und vierten Tag hatten wir es mit sehr heterogenen Gruppen zu tun. Vor allem bei den Jüngeren gab es jeweils sowohl extrovertiert-kontaktfreudige als auch introvertiert-schüchterne Kinder. Von den erwachsenen Teilnehmern verlangte dies ein hohes Maß an Empathie- und Anpassungsfähigkeit. Die Heterogenität setzte sich auch in den Gruppen der vier- bis fünf-jährigen fort.

Wir spielten in einem großzügigen Mehrzweckraum, der sowohl als Bewegungsraum, Schlafraum und Extra-Lernraum ausgestattet war. Auch an diesen Tagen waren die Gruppen nach Alter gestaffelt in klein (3 Jahre), mittel (4 Jahre) und groß (5-6 Jahre).

Die Energie in den ersten beiden Spielgruppen war sehr verschieden, obwohl die Kinder aus der gleichen Kindergartengruppe stammten. Die erste Gruppe war sehr verhalten, die zweite Gruppe hingegen schon sehr lebhaft und spielfreudig. Auch der Pädagogin ist das unterschiedliche Spielverhalten aufgefallen.

Eine gute Möglichkeit, mit den Kindern in Kontakt zu kommen, war, nach ihren Namen zu fragen. Zweimal haben wir gleich von Anbeginn auf den Matten mit den Kindern zu spielen angefangen und sie erst danach einzeln eingeladen. Auch dadurch entstand eine sehr spontane Spielfreude.

Ein Junge sehnte sich zu Beginn der ersten Runde weinend nach seiner Mutter und nach seinem Vater, kam dann aber dreimal zum Spielen auf die Matten und hörte auch mit dem Weinen auf. Original Play erleichterte hier sichtbar den Transitions-Prozess.

Eine Lehrerin, Julia, wurde während des Spiels plötzlich von den Mädchen am Mattenrand umringt. Ich lud sie sofort zum Spielen ein, sie stimmte zu und spielte lebhaft eine Runde mit.

Die beiden Gruppen der fünf- bis sechsjährigen spielte am Nachmittag sehr selbstbewusst, souverän, offen und rund. Die Burschen waren sehr raumfordernd und lebendig, mehrmals hatte ich gleich mehrere auf meinem Rücken. Einige Mädchen spielten etwas ruhiger, andere ähnlich bewegt wie die Buben. Es wurde viel gelacht. In der ersten Gruppe wollten einige Jungs vor allem bei mir ausprobieren, wie es ist, mir auf den Popo zu hauen und an meinem T-Shirt zu ziehen. Dieses Verhalten beruhigte sich im Laufe des Spiels. Es konnte auch durch direkten Blickkontakt verändert werden. Ich ging nicht besonders darauf ein, sondern empfand es einfach als Spiel.

Da wir am letzten Tag vier Erwachsene waren, konnten wir mehrmals alle Mädchen und alle Buben einladen und zweimal auch die gesamte Gruppe. Ganz am Schluss habe ich noch einmal einzeln mit allen gespielt. Alessia fiel dabei auf, wie geräuschlos das Spiel nun ablief – die Kinder kamen wieder zur Ruhe. In der anschließenden Gesprächsrunde und beim Zeigen der Tierfotos war die gesamte Gruppe höchst fokussiert und aufmerksam.

Unmittelbar nach unserem Besuch am letzten Tag erhielten wir gleich von zwei Eltern bestes Feedback. Eine Mutter schrieb folgende SMS: “L. (ihr Sohn) war begeistert von den Spielen, die ihr zusammen gemacht habt. Und er hört nicht auf zu fragen, ob ihr weitere Begegnungen organisiert.“

Auch die Leiterin, Chiara, vermittelte uns ihre Wertschätzung und schickte Alessia ein Video, in dem eine Psychologin, Daniela Lucangeli, die Bedeutung von guter Berührung für die Entwicklung des Kindes beschreibt.

Italiens neues Original Play Team

Team Udine

In Udine und Umgebung gibt es nun ein neues, sehr motiviertes Team aus sehr engagierten Damen, die Original Play in ihr Leben integrieren und umfassend Spielerfahrung sammeln wollen: Alessia Zanella, Cristina Graffeo und Mariangela Piva.

Ich wünsche allen dreien viele intensive Spielbegegnungen, offenen Austausch und einen verbindenden Teamgeist, damit sie ganz in die Liebe und die Verbundenheit eintauchen können, die durch Original Play erfahrbar wird und damit sie diese Erfahrungen auch für andere spürbar, sichtbar und zugänglich machen können.

Mein herzlichster Dank gilt Alessia Zanella, Cristina Piovesana, Cristina Graffeo, Mariangela Piva, den Pädagoginnen der Kindergärten, den Eltern und natürlich den Kindern!

Love,

Armin

(Engish Version)

Original Play im Libanon 2016

Posted on Posted in Allgemein, Apprentices, Armin Knauthe, Erfahrungsbericht, Projekte

Persönlicher Projektbericht von Armin Knauthe (English Version)

Intuition und der Mut zu Lieben – Original Play mit Flüchtlingskindern im Libanon 2016

Intuition

Als mich Fred Donaldson, Ph.D. im April dieses Jahres fragte, ob ich in den Libanon mitfahren möchte, um dort gemeinsam mit ihm und anderen Teilnehmern mit – hauptsächlich syrischen – Flüchtlingskindern zu spielen, sagte ich sofort „Ja“. Dieses „Ja“ kam intuitiv und spontan aus mir heraus. „Use your intuition“ erinnert Fred immer wieder die Teilnehmer in seinen Workshops und Seminaren in Original Play.

Kalligraphie Karl Obermayer

“KAN“ – Intuition wählte Zen-Meister Karl Obermayer dieses Jahr als Kalligraphie für sein Billet anlässlich meines Geburtstags im Sommer. Das war eine Bekräftigung meines Vorhabens. Nach meiner Reise kann ich aus vollem Herzen sagen, dass es richtig war, meiner Intuition gefolgt zu sein.

Willkommen in Beirut

Beirut 2016

Die Stadt Beirut ist sehr lebendig, modern und voller Gegensätze. Neben heruntergekommenen Kolonialstil-Villen stehen Hochhäuser aus Glas und Aluminium. An der beliebten Strandpromenade befinden sich plötzlich Stacheldraht und Beobachtungsposten. Die Stadt pulsiert, doch im Zentrum selbst (Place de l’Étoile) ist alles ausgestorben und polizeilich überwacht, denn hier steht das Parlament – und die Stadtregierung befürchtet Anschläge. Die Menschen begegnen uns überall mit Offenheit und Freundlichkeit. „Welcome to Lebanon“ hören wir mehrmals am Tag.

Wir, das ist eine Gruppe von Menschen, die sich vorgenommen hat, hier im Libanon mit Flüchtlingskindern zu spielen. Original Play – ursprüngliches Spiel – nennen wir dieses Spiel, das kein menschliches Artefakt ist, sondern „ein Geschenk der Schöpfung, das sich allem Leben offenbart“. So beschreibt es Fred Donaldson, der vor 43 Jahren begonnen hat, dieses Kindern und wilden Tieren innewohnende Spiel zu erforschen und seine Muster und Prinzipien zu leben. Er selbst reist diesmal bereits zum vierten Mal mit der NGO Jasmin-Hilfe in den Libanon, um Original Play anzubieten, und hat dabei jedes Mal das Camp Jarahieh, das Trauma-Centrum in Tripoli und die unten beschriebenen Waisenhäuser besucht.

Koordinatorin der Reise ist Soumaya El-Azem – sie wird von Ingrid Töteberg begleitet. Beide sind von Jasmin-Hilfe e.V., einem Verein der humanitären Hilfe für syrische Kinder. Teilnehmer/innen sind Fred Donaldson (Entdecker von Original Play, USA), Rawan Alhusseini (Vereinigte Arabische Emirate), Noraini Mahmood (Bahrain), Sonja Mille (Österreich), Uwe Reisenauer (Deutschland) und Armin Knauthe (Österreich).

Auto-Flow und Hup-Konzert

Von unserem Stützpunkt in Beirut aus führt unser erster Spieltag in die nördlich gelegene Hafenstadt Tripoli. “Wer bremst, verliert“ scheint die Devise im Straßenverkehr im Libanon zu sein. Unser Fahrer Valid beherrscht die Kunst, den überdimensionalen Rover trotz des zähen Verkehrs und der Staus stets im Fluss und in Bewegung zu halten. “Hupen ist hier als eigene Sprache zu verstehen”, klärt uns Soumaya auf – die Nuancierung der Hup-Idiome ist dabei sehr vielschichtig und kann von “Achtung!” über “Fahr vorbei!“ bis „Schleich dich!” und viel viel mehr bedeuten. Nur langsam wächst die Stadt der Küstenstraße entlang aus – hinüber zu den kleinen Vorstädten von Tripoli, wo die Bebauung gleich wieder dichter wird. Die Hänge sind terrassenartig verbaut. Der Anblick erinnert mich kurz an die Hangbebauung von Lausanne und Montreux um den Genfer See, meiner zweiten Heimat in der Schweiz. Vielleicht rührt ja daher die ehemalige Bezeichnung für den Libanon als „Schweiz des Nahen Ostens“.

Future-Kids in Tripoli

Tripoli 2016

Mitten in Tripoli werden wir sehr herzlich von der Leiterin und den Lehrern eines Zentrums für traumatisierte syrische Flüchtlingskinder und -frauen empfangen. Die NGO International Humanitarian Relief ist der Träger, Jasmin Hilfe unterstützt es regelmäßig finanziell. In Windeseile wird ein Klassenraum ausgeräumt; wir legen gemeinsam mit einigen Kindern so viele Matten auf, bis fast der ganze Raum bedeckt ist.
Zuerst kommen 25 jüngere Kinder zum Spielen dran, Mädchen und Buben im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Sie bleiben sehr friedlich um die Matten herum sitzen, sind mit hoher Aufmerksamkeit und offenen, lachenden Augen auf das Spiel fokussiert und spielen intensiv. Die zweite Gruppe besteht aus 15 Kindern im Schulalter. Die Mädchen wollen nicht gemeinsam mit den Jungs auf die Spielfläche kommen – sie spielen erst ganz am Schluss mit, als alle sieben gleichzeitig eingeladen werden.

Nach dem Spielen sprechen zwei jugendliche syrische Mädchen, die mit dem Neugeborenen ihrer älteren Schwester in die Einrichtung kommen, von ihren traumatischen Erlebnissen in ihrer Heimat. Noraini Mahmood, unsere Spielgefährtin aus Bahrain, kann sie an einen Sponsor vermitteln, durch den sie 150 Euro im Monat erhalten werden.

Am Nachmittag begrüßen uns lachende Kinder mit Händedruck und offenem Blickkontakt in einem Waisenhaus in einem Vorort von Tripoli. Die Matten breiten wir in der Aula aus; wir spielen mit vier Gruppen – insgesamt etwa 40 Kindern. Ein etwa fünfjähriger Junge – er trägt eine schwarze Brille und ist auf einem Auge blind – kommt nach dem Spiel zu mir, setzt sich auf meinen Schoß und bleibt da die ganze Pause über sitzen. Ich folge dabei seinem leichten Schaukeln, bis wir in ein gemeinsames sanftes Wiegen kommen. Eine kurze Autofahrt weiter erreichen wir eine andere Einrichtung für Halbwaisen in einem modern-klassizistischen, villenähnlichen Gebäude mit einem großen Garten, Terrassen und einem wunderbaren Ausblick über Tripoli.

Hier stehen die Kinder aufgereiht am Gartentor und empfangen uns ebenfalls mit aller Höflichkeit. Wir spielen mit etwa 50 Kindern im Alter zwischen 3 und 15 Jahren. Jasmin Hilfe unterstützt regelmäßig diese beiden und ein weiteres Waisenhaus in Tripoli finanziell.

Zum Abschluss wird uns zu Ehren unter bereits dunklem Abendhimmel auf der Terrasse eine Tanz-Choreographie von den Mädchen und ein Chorgesang von den älteren Burschen zum Besten gegeben. Ich finde beides sehr berührend und bin von dem ausgeprägten Selbstbewusstsein der Kinder sehr beeindruckt. Von „No-Future-Kids“ kann hier in meinen Augen keine Rede sein.

„Hi mister! I love you!“

Beirut 2016

Schwarze Transparente mit großen arabischen Schriftzeichen sind über die Straße gespannt. Es handle sich um islamistische Worte der Hisbollah; sie kontrolliere diesen dichten Stadtteil Beiruts, wird uns erklärt. Hier befindet sich die Jusoor-Schule in einem alten Bürgerhaus. Wir spielen im Hof, der auch als Pausenraum genützt wird – für die vielen Kinder unterschiedlichen Alters aber eindeutig zu dicht ist.

In der Pause kommt es zu vielen Raufereien. Ich gehe mit meinem Körper spielerisch zwischen kämpferische Jungs. Einer von Ihnen wirkt besonders kontrollierend. Sein Blick ist streng und er hat keine Hemmungen, auf andere Kinder einzuschlagen. Als er meine Interventionen bemerkt, baut sich der etwa 12-Jährige vor mir auf und droht mir mit den Fäusten. Ich nehme eine Faust sofort sanft in die Hand, gebe ihr ein Küsschen und spiele mit ihr. Das wiederholt sich in regelmäßigen Abständen, bis sich sein Blick ändert. Ich habe das Gefühl, er hat verstanden, was ich mache. Nach wie vor beobachte ich, wie er ausholt und ein Kind schlagen oder treten will. Dann schaut er auf mich, sieht meinen Blick und hört auf. Auf den Matten spielt er wie ein kleiner Junge mit mir, mit viel Energie – gleichzeitig weich und rund – und er lacht dabei.

Das Gespräch mit der Managerin der Jusoor-Organisation gibt uns Einblick in die Lebensverhältnisse der Kinder. Viele wohnen mit ihren Eltern und Familien in nur einem Zimmer auf engstem Raum zusammen, ein Junge sogar mit 15 Geschwistern (von zwei Müttern). Viele verrichten Kinderarbeit – häusliche Gewalt sei an der Tagesordnung: ein Junge müsse im Freien schlafen, wenn er etwas angestellt hat. Die Schlafplätze werden oft schichtweise abgewechselt. Die vier Stunden, die die Kinder täglich in die Schule kommen dürfen – auch hier gibt es zwei Schichten mit insgesamt 200 Schülern – sind in erster Linie Befreiung aus der häuslichen Enge. Doch auch hier sei es zu eng und dicht, um dem Bewegungs- und Explorationsbedürfnis der Kinder gerecht zu werden. Auch dieser Mangel mündet oftmals in Aggression.

Ein libanesischer Junge aus dem Nachbarhaus (ca. 13 Jahre) hat offensichtlich das Spielen beobachtet. Er ruft mir in der Mittagspause zu: “Hi Mister! You make a great Job”. Beim Verlassen der Einrichtung sieht er mich auf der Straße wieder. Mit den Worten “Hi Mister! I love you” wirft er mir ein Kusshändchen zu, das ich von Herzen erwidere.

Bekaa – Elend und Würde

Bekaa 2016

Keine Fotos, keinen Zeitungs- oder Fernsehbericht sehe ich hier, sondern die nackte, echte Realität: dreidimensional, staubig, schmutzig, stinkend und beklemmend. Das Flüchtlings-lager Jarahieh in der Bekaa-Hochebene bietet 198 Familien Unterkunft. Das sind bei durchschnittlich sieben Köpfen pro Familie etwa 1.400 Menschen, davon 800 Kinder. Viele davon sind nicht registriert und müssen den Boden für ihre improvisierten Behausungen aus Holz, Plastik, Planen und Wellblech – Zelte genannt – um etwa 150 US $ pro Monat pachten. Erst vor kurzem hat hier die Jusoor Organisation ein Holzgebäude errichtet, das als Schule dient. Auf dem staubigen Boden legen wir die Matten auf und spielen heute mit sechs Gruppen zu je etwa 14 bis 16 Kindern. Im Nachbarraum wird immer wieder gehämmert – Jugendliche bauen den zweiten Raum aus. Fred bleibt an der Tür, da sich draußen Kinder drängen, um mitzuspielen.

Diesmal fühlen wir von einigen Kindern auch Aggression auf der Spielfläche. Einige Burschen würgen beim Spielen, einer beißt etwas, ein Mädchen schlägt und stößt wild herum. Und auch diesmal sind Muster zu beobachten, die bei Original Play oft vorkommen. Ein Junge der nicht mitgespielt hat, kommt nach dem Spiel zu mir auf die Fläche und umarmt mich. Ein kleiner Junge mit Windeln setzt sich von Anbeginn auf meinen Schoß und verweilt dort. Der Bub, der mich würgt, löst den Druck seines Arms und entspannt sich, als ich ihm sanft in sein linkes Auge blicke und kurz innehalte. Ein Mädchen will unbedingt ein zweites Mal mitspielen und zeigt mir ein sehr böses Gesicht, als ich es ihm nicht erlaube. Beim Abschied lacht und strahlt es mich wieder an.

Zu Mittag erhalten wir frisch gebackene Teigtaschen aus der Camp-eigenen Bäckerei. Gespeist wird in der Ambulanz, einem Sanitäts-Kontainer, der im Herbst 2015 um etwa 20.000 US $ errichtet worden ist. Beides sind – in Planung, Ausführung und Finanzierung – Projekte von Jasmin-Hilfe. Sie zahlt auch die monatlichen Gehälter von einem Arzt, einer Krankenschwester, den Bäckerinnen, einem Wachmann und einer Lehrerin aus.

Wir statten mehreren Flüchtlingslagern Kurzbesuche ab, um uns ein Bild von ihrem Zustand zu machen. In den meisten davon fehlt es am Notwendigsten: sauberes Trinkwasser, Kiesbeschüttung, um Schlammbildung bei Regen und Schnee im Winter zu vermeiden, Holz, Toiletten, Senkgruben und
Windeln. Jasmin-Hilfe versucht diesem Mangel immer wieder zu begegnen, doch die Mittel sind angesichts des Größenordnung limitiert. Die Menschen, die schon länger hier sind, werden allmählich frustriert. Ein Brand im großen Lager letzte Woche hat insbesondere die Kinder sehr verunsichert.

In einigen wenigen Camps aber gedeihen Blumen und Gärten, und die dort lebenden Menschen gestalten gemeinsam mit den Behörden eine friedliche Umgebung nach ihren Bedürfnissen.

Trotz aller widrigen Umstände werden wir immer wieder mit einem Lächeln empfangen und auch
Kusshändchen fliegen uns zu. Bei aller Armut und allem Elend spüre ich in jeder Begegnung eine Art von Stärke, etwas, was allem rings herum die Bedrohlichkeit nimmt: menschliche Würde.

„Don’t cry“ – ein Trost

Bekaa 2016

Am zweiten Tag im Camp Jarrahieh in der Bekaa-Ebene dürfen die Buben nicht mitspielen. Sie hätten am Vortag eine Wasserleitung kaputt gemacht und die Camp-Leitung hat ihnen heute verboten, das Schulgebäude zu betreten. Es spielen also nur Mädchen, zwei Gruppen, insgesamt etwa 30, einige davon spielen zweimal.

Unmittelbar nach dem Spiel läuft ein Mädchen zu mir auf die Matten und küsst mich ganz unerwartet auf die Wange. An sich passiert mir das sehr oft bei Original Play, doch rührt es mich diesmal so sehr, dass mir leicht die Tränen kommen. Noraini steht hinter mir – und auch sie weint. „Don’t cry“ sagen die Mädchen, die um sie stehen und berühren sie tröstend.

Wir verteilen mit und für Jasmin-Hilfe Kekse, Windeln und Gewand, besuchen die Familie der Camp-Lehrerin, deren Kinder für uns auf orientalischen Instrumenten musizieren, und auch die Familie eines spastischen jungen Mannes. Er erkennt Fred sofort wieder, und sein Gesicht strahlt vor Freude, als Fred mit seinem Bart über seine Hände streicht.

Nach dem Spielen in einem weiteren Camp und einigen Kurzbesuchen in unterschiedlichen Lagern sind wir bei der Familie unseres Fahrers Valid auf der Heimfahrt zum Tee eingeladen. Seine Großmutter möchte Fred unbedingt wiedersehen. Etwa 20 Familienmitglieder empfangen uns auf das Herzlichste. Die Frauen geben uns Männern sogar die Hand und Valids Großmutter küsst uns alle auf die Wangen. Ihr Blick ist durchdringend, als ob sie mir direkt in die Seele schauen könnte. Als ich mich zu ihr auf das Sofa setze wird mir sogar die besondere Ehre zuteil, dass sie mich auf das Haupt küsst.

Auf kurvigen Bergstraßen fahren wir im nächtlichen Dunkel erschöpft und doch von Trost und Liebe eingebettet nach Beirut zurück.

Shatila unter Strom

Shatila 2016

Mit der Warnung „Achtet auf die Stromkabel! Immer wieder sterben Menschen an Stromschlägen!“ machen wir uns auf den Weg in das Beiruter Camp Shatila. Es ist 1949 für palästinensische Flüchtlinge errichtet worden, ist einen Quadratkilometer groß und beherbergt heute 22.000 Menschen, darunter mittlerweile auch viele syrische Flüchtlinge. Die fünf- bis siebenstöckige Stahlbetonskelett-Bebauung ähnelt einer mittelalterlichen Struktur und lässt dunkle, enge Straßenschluchten frei, in denen ein Gewirr an Stromkabeln neben Wasserleitungs-Schläuchen teilweise bis zum Boden herunterhängt.

Die Leiterin des Kindergartens, in dem wir heute spielen, berichtet uns aus ihrem eigenen Leben im Camp sowie vom Massaker von 1982 und vielen anderen Gewaltakten, die die Eltern- und Großelterngeneration der heutigen Kinder traumatisiert hätten.

Tatsächlich begegnen uns viele der 75 Kinder beim Spielen sehr verhalten, manche regelrecht apathisch. Ein Junge legt sich einfach nur auf mich drauf und lässt sich wiegen. Er selbst bleibt dabei regungslos. Einige Mädchen machen es ihm gleich.

Der Kindergarten ist innen sehr sauber, freundlich und liebevoll gestaltet. Die Räume benötigen zwar Kunstlicht, doch gibt es auf der Dachterrasse einen großzügigen Spielbereich für die Kinder.

Auf unserer Führung durch das Straßenlabyrinth von Shatila durch eine Pädagogin halten wir kurz inne, weil vor uns junge Männer an den unzähligen Stromkabeln arbeiten. Ich frage den Kaffee-Bar-Eigentümer neben mir, ob er das als gefährlich einstufe, worauf er erwidert: „It’s very dangerous! The whole camp is garbage!“ („Es ist sehr gefährlich! Das gesamte Camp ist Müll!“) Ich frage mich wieviel Geld wohl vonnöten sei, um aus Shatila einen schönen und vor allem sicheren Stadtteil Beiruts zu machen.

Mut zu Lieben

An all den Orten im Libanon, wohin wir eingeladen wurden, um mit Kindern zu spielen, gibt es noch sehr viel zu tun, zu arbeiten, zu organisieren und zu verbessern.

Trotz all der widrigen Umstände, der furchtbaren Erfahrungen von Gefahr, Flucht, Verlust und Trauer, begegneten mir die Kinder immer wieder mit spontaner Liebe. Es war so, als würden sie mir dadurch die Frage stellen: „Hast du den Mut, meine Liebe zu erwidern?“ Ich weiß nicht, ob ich jede/n einzelne/n von ihnen genug zurück lieben konnte. Doch weiß ich, dass – solange es Kinder gibt – für mich noch die Hoffnung besteht, es zu lernen.

Armin Knauthe

 

Spenden für das Spielen

mit Flüchtlingskindern:

Verein Original Play Österreich – von Herzen spielen

Tivoligasse 15/1,
1120 Wien

IBAN AT072020201520001320

BIC SPAMAT21XXX

www.originalplay.at

 

Spenden für Grundnahrungsmittel, Babynahrung, medizinische
Versorgung wie medizinische Produkte und Geräte, Medikamente und
Operationen sowie Unterkünfte und Bildung
:

Jasmin-Hilfe e.V.

Commerzbank
Düsseldorf

IBAN DE20 300 400 000 805 813 300

BIC COBA DE FF XXX

www.jasminhilfe.com

Smile Bekaa 2016

Fotos: ©Noraini Mahmood, Sonja Mille, Ingrid Töteberg,
Armin Knauthe 2016

 

Original Play in Flüchtlingslagern im Libanon

Posted on Posted in Allgemein, Apprentices, Erfahrungsbericht, Projekte, Sonja Mille

Tag 1: Tripolis

Nach einer 2-stündigen Autofahrt erreichen wir Tripolis im Norden vom Libanon. Wir spielen in einem neuen Zentrum für traumatisierte Kinder und Frauen aus Syrien.


Gute Atmosphäre, nette Mitarbeiter*innen, strahlende Kinderaugen beim Spielen - schön!

Danach hatten wir Zeit für ein uriges libanesisches Mittagessen (viele Kichererbsen) und einen Spaziergang durch den Markt (sehr orientalisch).


Weiter ging es mit dem Auto auf eine Hügelkette über Tripolis in zwei (Halb)waisenhäuser, die in recht schönen großen  Ferienhäusern eingemietet sind.


Voll liebe Kinder von 3 bis 14 Jahren haben dort mit uns gespielt und zum Abschied haben sie uns noch eine Gesangs- und Tanzvorführung geschenkt.

 

Danke für den bereichernden schönen Tag!

Tag 2: Beirut

Heute haben wir in einer Schule für 200 syrische Kinder gespielt. Hier gehen die Kinder in zwei Schichten zur Schule - die Hälfte vormittags die Hälfte nachmittags. Die meisten Kinder leben in extrem beengten Verhältnissen mit vielen Familienmitgliedern in einzelnen Räumen. Viele von ihnen arbeiten auf der Straße (verkaufen Süßigkeiten, betteln, ...)


Wir konnten vor dem Spielen beobachten, dass viele Kinder im Kontakt untereinander sehr aggressiv waren (Treten, Schlagen, Fäuste, dominantes Gehabe). Überraschenderweise war während des Spielens gar keine Aggression mehr spürbar, danach kam sie in leicht geringerer Form aber wieder zurück. Ich hab mir gedacht, dass wir den Kindern eine Stunde Frieden gebracht haben, ihnen gezeigt haben, dass es eine Alternative gibt.


Auf einem der Balkone am nächsten Foto ist ein ca. 12-jähriger Junge gestanden und hat uns beobachtet. In einer Pause hat er Armin zugerufen: "hey Mister, you make a good job!". Später auf der Straße hat er uns zugerufen: "I love you!" Er hat genau verstanden, was am Schulhof vor seiner Nase passiert ist ❤️


Tag 3: Beka'a Valley

Über die Berge ging es heute ins hoch gelegene Beka'a Tal nahe der syrischen Grenze. Wir haben zuerst das Camp Jarrahieh besucht. Dort unterstützen 2 NGO's die Menschen: die Jasminhilfe und The Syrian Eyes.


Die Behausungen sind mit allen möglichen Materialien zusammen geschustert (Plastik, Planen, Holz, Wellblech, Autoreifen, Netze, ...). 180 Familien mit durchschnittlich 5 Kindern leben in diesem Camp.


Man sieht dazwischen immer wieder UNHCR Planen, versorgt werden sie von ihr aber nicht, es sind nicht registrierte Flüchtlinge, die sich das Land um ca. 100 Euro pro Monat pro Behausung! von Privaten pachten müssen.


Gerade wird dort eine Schule gebaut, wo wir spielen durften. Wir hatten 6 Gruppen mit jeweils ca. 15 Kindern von 2 bis 14 Jahren. Manche sehr schüchtern, manche aggressiv, viele ganz nahe und kuschelig. Fred hat die ganze Zeit die Türe bewachen müssen, weil die Kinder alle gleichzeitig rein wollten.







Nach dem Spielen haben wir von der Campbäckerei gefülltes  Fladenbrot bekommen.

Anschließend haben wir einige kleinere Camps besucht, wo Soumaja und Ingrid (Jasminhilfe) mit den Menschen über ihre Bedürfnisse gesprochen haben, um für Spender*innen und Sponsoren berichten zu können, was gebraucht wird.



Tag 4: Beka'a Valley

Leider hat mich heute in der Früh eine Magenverstimmung erwischt, ich konnte nicht mitfahren und übergebe an Armin. Liebgruß, Sonja

Wir sind wieder in die gleichen Camps wie gestern gefahren und haben mit 4 Gruppen gespielt. Die Buben durften heute im großen Lager nicht mitspielen, weil sie gestern eine Wasserleitung kaputtgemacht haben.


Nach dem Spiel läuft ein Mädchen zu mir auf die Matten und küsst mich auf die Wange. An sich passiert mir das sehr oft beim Spielen, doch rührt es mich diesmal so sehr, dass mir leicht die  Tränen kommen. Noraina steht hinter mir und auch sie weint. "Don't cry" sagen die Mädchen, die um sie stehen und berühren sie tröstend.


Auf den Bergen im Hintergrund verläuft die Grenze zu Syrien, es sind dann noch ca. 30 km nach Damaskus.

Wir verteilen Kekse,Windeln und Gewand, besuchen die Familie der Camp-Lehrerin, deren Kinder für uns auf orientalischen Instrumenten musizieren, und schliesslich noch die Familie eines spastischen jungen Mannes. Er erkennt Fred sofort wieder und sein Gesicht strahlt vor Freude als Fred mit seinem Bart über seine Hände streicht.

Bei der Familie unseres Fahrers Valid wird noch kurz auf einen Tee eingekehrt. Seine Grossmutter möchte Fred unbedingt wiedersehen. Etwa 20 Familienmitglieder empfangen uns aufs Herzlichste, die Frauen geben uns Männern sogar die Hand und Valids Grossmutter küsst uns alle auf die Wangen. Ihr Blick ist durchdringend, als ob sie mir direkt in die Seele schauen könnte und als ich mich zu ihr auf das Sofa setze wird mir sogar die besondere Ehre zuteil, dass sie mich auf das Haupt küsst.

Tag 5: Palästinensisches Camp Shatila in Beirut

1949 wurde Shatila erbaut, damals einstöckig für ca. 4000 Flüchtlinge. Mittlerweile sind die Häuser 5 bis 7 stöckig und es leben 22000 Menschen auf einem Quadratkilometer. Die Gassen sind eng, finster und voller wild verlegter Kabel.


Wir besuchen einen Kindergarten, der von einer Frau geführt wird, die selbst schon als Kind hier gelebt hat. Außen wirken die Häuser alle wie Bruchbuden, innen ist der 5-stöckige Kindergarten sehr schön. Wir spielen mit ca. 75 Kindern zw. 2 und 6 Jahren. Die meisten sind sehr schüchtern, viele wirken fast apathisch.


Sie lächeln kaum, viele wirken ängstlich, ich habe so ein Gefühl von "kollektivem Trauma", wie wenn es in der mittlerweilen 3. und 4. Generation festgefroren wäre.


Die Leiterin erzählt uns anschließend noch von der Geschichte des Camps; u.A. gab es 1982 das Massaker an den Palästinensern, um die PLO zu zwingen den Libanon zu verlassen.  ..

Sehr beeindruckend ... so sehr, dass ich jetzt urmüde bin, obwohl es noch so viel zu erzählen gäbe.

So, das war's aus dem Libanon, heute Nacht fliegen wir um unzählige Begegnungen und Eindrücke reicher wieder nach Hause.

Eure Sonja

Original Play Team im Libanon

Posted on Posted in Allgemein, Apprentices, Erfahrungsbericht, Sonja Mille

Heute sind alle in Beirut angekommen. Wir haben uns bei einem gemeinsamen Abendessen kennengelernt.

Foto von links nach rechts:

Fred Donaldson, Noraini Mahmood (Original Play in Bahrain), Armin Knauthe (Verein Original Play Österreich), Hossam Shobokshi (hilft bei Kontakten, Saudi Arabien), Soumaya El-Azem (Projektkoordinatorin, Jasmin-Hilfe, Deutschland, lebt in Kuwait), Uwe Reisenauer (Original Play, Hamburg), Ingrid Töteberg (Jasmin-Hilfe, Deutschland), Sonja Mille (Verein Original Play Österreich)

Morgen geht es los! Wir sind schon in großer Vorfreude.

Love,

Sonja und Armin