Ein Wunder in Udine – große Emotion mit Original Play

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Persönlicher Projektbericht von Armin Knauthe (English Version)

Soeben hat sich der Railjet 130 in Bewegung gesetzt. Ich fahre von Udine zurück nach Wien, nach vier Tagen berührender und emotionaler Begegnungen, reichhaltigen Gesprächen, vielfältigem Austausch und intensivem Spiel. Voilà mein persönlicher Bericht.

Cristina Piovesana aus Udine und Alessia Zanella aus dem kleinen Dorf Pagnacco in der Nähe von Udine luden mich ein, Original Play in der Umgebung von Udine in verschiedenen Kindergärten mit Teilnehmern der letzten Original Play Workshops anzubieten. Monate lang hatte Alessia alles vorbereitet, Kindergärten und Teilnehmer/innen kontaktiert, Termine abgeglichen und in Wien Spielerfahrungen in Original Play gesammelt. Am 19. Februar 2018 war es dann soweit, vier Tage Original Play mit über 140 unbekannten Kindern standen vor uns.

Am Montag besuchten wir die Scuola per l’infanzia „Le colline dei Bimbi“ in Buttrio und am Dienstag die Scuola per l’infanzia SMNS Elena Bettini in Pagnacco, beide in der Umgebung von Udine. An diesen beiden Tagen spielten nur Alessia und ich, um die Kinder kennenzulernen und eine Atmosphäre des Vertrauens aufzubauen.

Am Mittwoch kam Cristina Graffeo hinzu und am Donnerstag vervollständigte dann auch noch Mariangela Pivo unsere Truppe. Die Kindergärten waren dieselben, wie an den Tagen davor.

Erster Tag mit Original Play in Buttrio

Spielen mit Armin in Udine

Im Kindergarten in Buttrio wurden wir aufs Herzlichste begrüßt. Bereits am Vorabend, Sonntag, erhielt Alessia spät abends noch eine erwartungsvolle SMS von Sandra, der psychologischen Betreuerin des Kindergartens.

Die Pädagoginnen unterstützten uns vor und während des Spielens und zeigten reges Interesse an Original Play. Sie fragten, ob es erlaubt sei, Fotos und Videos zu machen. (Was die Videos betraf, einigten wir uns über sehr kurze Clips – sollten diese für interne Präsentationen genutzt werden, würden wir noch gefragt werden.)

Wir spielten mit insgesamt sieben Teilgruppen – zunächst mit den ganz Kleinen (3 Jahre), dann mit den „medi“, den Mittleren, (4 Jahre) und am nachmittag mit den Großen (5-6 Jahre). Der rote Bodenbelag der großen Aula ließ unsere sechs Matten zunächst klein aussehen, doch beim Spielen wurden sie das Zentrum eines bewegten Miteinanders, voll Vertrauen, Nähe und Freude. Von der Decke hingen auf alte CDs geklebte Papier-Herzen herab, als würden sie symbolisch wiedergeben wollen, was sich auf den Matten abspielte.

Schon bei der zweiten Gruppe teilte uns die begleitende Pädagogin mit, dass es sie zu Herzen gerührt hatte, den Kindern beim Spiel zuzusehen und dass sie dabei auch etwas weinen musste. Sie hatte gemerkt, dass wir einfühlsam auf die Impulse der Kinder reagierten und nur soweit mit ihnen spielten, wie es ihren ursprünglichen Aktionen entsprach, so als ob wir die Kinder bereits gut kennen würden.

Die schnelle Änderung des üblichen Verhaltens der Kinder überraschte sie. So öffnete sich – Ihrer Beobachtung nach – ein sehr schüchternes Mädchen, kam zum Spielen und entwickelte dabei eine Vertrautheit, wie sie es bei ihm noch niemals erlebt hatte. Sie erkundigte sich sofort nach einem Workshop und würde gerne im Juni teilnehmen.

Einer anderen Pädagogin konnte ich während des Spielens ansehen, mit wieviel Anteilnahme sie beiwohnte. Als ich sie spontan zum Mitspielen aufforderte, sagte sie sofort ja, zog sich Stiefletten und Arbeitsschürze aus, kam völlig unbefangen zu Alessia und mir auf die Spielfläche und spielte ganz selbstverständlich mit.

Im Schlussgespräch teilte sie mit uns ihre Beobachtung: die Kinder würden durch Imitation neue Wege des Spielens beschreiten, bei denen es nicht mehr zur Eskalation kommt.

Als wir den Kindern einer Gruppe mitteilten, dass wir in zwei Tagen wieder kommen würden, sagte ein drei-jähriges Mädchen „Nein!“ zu uns. Gleich darauf schmiegte sie sich an Alessia und umarmte sie. Ihr Körper zeigte eine völlig andere Reaktion als ihr Kopf.

Von allen Beteiligten – Pädagoginnen, Eltern, den Teilnehmerinnen und insbesondere den Kindern – erfuhren wir auf herzliche und emotionale Weise sehr positives  Feedback. „Una meraviglia“ – „Ein Wunder“- wäre das Spiel gewesen, teilte uns Sandra mit. Abends erhielt Alessia folgende Nachricht von Sandra: „Was soll ich sagen … schön, schön, schön … ausgehend von verschiedenen Welten, von ursprünglichen Instinkten, vom Spiel junger Welpen und von anderen Spezies, um das Kind in uns zu berühren … und die Kinder spielen zu lassen, so wie es gerade kommt. So erschien es mir … So viel Emotion. Danke.“

Dritter Tag – Präsentation

Alessia und Armin Udine

Zwei Tage später brachten alle Kinder Alessia, der neu dazu gestoßenen Cristina und mir höchstes Vertrauen entgegen. Kaum waren wir zu dritt auf den Matten spielten die Kinder einfach mit jedem Erwachsenen, der gerade frei war. Sie machten überhaupt keinen Unterschied, mit wem von uns dreien sie spielen wollten, sondern probierten einfach alle aus. Ich empfand von allen – Kindern und Erwachsenen – viel Präsenz, Respekt, Wertschätzung und Spielfreude. Es gab an diesem Tag kein einziges Kind, das nicht auf den Matten war – alle Kinder haben mitgespielt. Von ihren Erlebnissen beim Spielen fertigten die Kinder Zeichnungen an, die vor Buntheit, Freude und Kreativität nur so sprühten.

Noch für denselben Abend wurden Alessia und ich eingeladen, Original Play vor dem gesamten Team und vor der Elternvertretung zu präsentieren. Es machte mir viel Freude, die Pädagoginnen begeistert von ihren Beobachtungen erzählen zu hören. Am Montag, dem 18. Juni 2018 soll Original Play am Nachmittag nach dem Praxisvormittag mit Fred vor allen Eltern präsentiert werden. Bis dahin könnte es sein, dass Alessia noch öfter zum Spielen eingeladen wird.

Zweiter und vierter Tag – Lachen und Aufmerksamkeit

Am zweiten und vierten Tag hatten wir es mit sehr heterogenen Gruppen zu tun. Vor allem bei den Jüngeren gab es jeweils sowohl extrovertiert-kontaktfreudige als auch introvertiert-schüchterne Kinder. Von den erwachsenen Teilnehmern verlangte dies ein hohes Maß an Empathie- und Anpassungsfähigkeit. Die Heterogenität setzte sich auch in den Gruppen der vier- bis fünf-jährigen fort.

Wir spielten in einem großzügigen Mehrzweckraum, der sowohl als Bewegungsraum, Schlafraum und Extra-Lernraum ausgestattet war. Auch an diesen Tagen waren die Gruppen nach Alter gestaffelt in klein (3 Jahre), mittel (4 Jahre) und groß (5-6 Jahre).

Die Energie in den ersten beiden Spielgruppen war sehr verschieden, obwohl die Kinder aus der gleichen Kindergartengruppe stammten. Die erste Gruppe war sehr verhalten, die zweite Gruppe hingegen schon sehr lebhaft und spielfreudig. Auch der Pädagogin ist das unterschiedliche Spielverhalten aufgefallen.

Eine gute Möglichkeit, mit den Kindern in Kontakt zu kommen, war, nach ihren Namen zu fragen. Zweimal haben wir gleich von Anbeginn auf den Matten mit den Kindern zu spielen angefangen und sie erst danach einzeln eingeladen. Auch dadurch entstand eine sehr spontane Spielfreude.

Ein Junge sehnte sich zu Beginn der ersten Runde weinend nach seiner Mutter und nach seinem Vater, kam dann aber dreimal zum Spielen auf die Matten und hörte auch mit dem Weinen auf. Original Play erleichterte hier sichtbar den Transitions-Prozess.

Eine Lehrerin, Julia, wurde während des Spiels plötzlich von den Mädchen am Mattenrand umringt. Ich lud sie sofort zum Spielen ein, sie stimmte zu und spielte lebhaft eine Runde mit.

Die beiden Gruppen der fünf- bis sechsjährigen spielte am Nachmittag sehr selbstbewusst, souverän, offen und rund. Die Burschen waren sehr raumfordernd und lebendig, mehrmals hatte ich gleich mehrere auf meinem Rücken. Einige Mädchen spielten etwas ruhiger, andere ähnlich bewegt wie die Buben. Es wurde viel gelacht. In der ersten Gruppe wollten einige Jungs vor allem bei mir ausprobieren, wie es ist, mir auf den Popo zu hauen und an meinem T-Shirt zu ziehen. Dieses Verhalten beruhigte sich im Laufe des Spiels. Es konnte auch durch direkten Blickkontakt verändert werden. Ich ging nicht besonders darauf ein, sondern empfand es einfach als Spiel.

Da wir am letzten Tag vier Erwachsene waren, konnten wir mehrmals alle Mädchen und alle Buben einladen und zweimal auch die gesamte Gruppe. Ganz am Schluss habe ich noch einmal einzeln mit allen gespielt. Alessia fiel dabei auf, wie geräuschlos das Spiel nun ablief – die Kinder kamen wieder zur Ruhe. In der anschließenden Gesprächsrunde und beim Zeigen der Tierfotos war die gesamte Gruppe höchst fokussiert und aufmerksam.

Unmittelbar nach unserem Besuch am letzten Tag erhielten wir gleich von zwei Eltern bestes Feedback. Eine Mutter schrieb folgende SMS: “L. (ihr Sohn) war begeistert von den Spielen, die ihr zusammen gemacht habt. Und er hört nicht auf zu fragen, ob ihr weitere Begegnungen organisiert.“

Auch die Leiterin, Chiara, vermittelte uns ihre Wertschätzung und schickte Alessia ein Video, in dem eine Psychologin, Daniela Lucangeli, die Bedeutung von guter Berührung für die Entwicklung des Kindes beschreibt.

Italiens neues Original Play Team

Team Udine

In Udine und Umgebung gibt es nun ein neues, sehr motiviertes Team aus sehr engagierten Damen, die Original Play in ihr Leben integrieren und umfassend Spielerfahrung sammeln wollen: Alessia Zanella, Cristina Graffeo und Mariangela Piva.

Ich wünsche allen dreien viele intensive Spielbegegnungen, offenen Austausch und einen verbindenden Teamgeist, damit sie ganz in die Liebe und die Verbundenheit eintauchen können, die durch Original Play erfahrbar wird und damit sie diese Erfahrungen auch für andere spürbar, sichtbar und zugänglich machen können.

Mein herzlichster Dank gilt Alessia Zanella, Cristina Piovesana, Cristina Graffeo, Mariangela Piva, den Pädagoginnen der Kindergärten, den Eltern und natürlich den Kindern!

Love,

Armin

(Engish Version)

Udine (I): Mitspielen mit Armin in der Scuola per l’infanzia Elena Bettini, Donnerstag, 22.02.2018

09:15 bis 15:00 Uhr
Anmeldung bei Alessia Zanella: +39 328 1548645‬
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Anmeldung ist erforderlich. Für die Teilnahme fallen Kosten an.

Wir spielen mit 7 Kindergartengruppen (2-6 Jahre).

Dieses Angebot richtet sich an alle, die schon mindestens einen Workshop besucht haben und Spielpraxis sammeln wollen. Sie können erfahrene Original Play Apprentices in Schulen, Kindergärten, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und Unterkünfte für Asylwerber*innen begleiten, um einerseits bei der Arbeit mit Original Play zuzusehen und andererseits in sicherem Rahmen mitzuspielen.

Original Play Österreich

Udine (I): Mitspielen mit Armin in der Scuola per l’infanzia Elena Bettini, Mittwoch, 21.02.2018

09:15 bis 15:00 Uhr
Anmeldung bei Alessia Zanella: +39 328 1548645‬
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Anmeldung ist erforderlich. Für die Teilnahme fallen Kosten an.

Wir spielen mit 7 Kindergartengruppen (2-6 Jahre).

Dieses Angebot richtet sich an alle, die schon mindestens einen Workshop besucht haben und Spielpraxis sammeln wollen. Sie können erfahrene Original Play Apprentices in Schulen, Kindergärten, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und Unterkünfte für Asylwerber*innen begleiten, um einerseits bei der Arbeit mit Original Play zuzusehen und andererseits in sicherem Rahmen mitzuspielen.